Signale aus dem All
Zum ersten Mal wurden im November 1998 Kraniche mit Satelliten-Sendern bestückt (Foto oben). Die nur 60 Gramm schweren Sender geben ständig Signale ab, die über Satelliten wieder zur Erde geleitet und hier ausgewertet werden. So kann man den Flug der Kraniche exakt verfolgen.
"Selbst der Storch im Himmel kennt seine Zeiten, und die Turteltaube und die Schwalbe und der Kranich halten die Frist ihrer Rückkehr ein..."
So steht es unter Jeremias im Kapitel 8, Vers 7 in der Bibel geschrieben. Seit Menschengedenken ziehen die Vögel über das Heilige Land. Während die riesigen Schwärme früher  nur als "Verdunkler des Himmels" empfunden wurden, werden sie heute genau beobachtet und sogar gezählt. Experten schätzen, daß rund 500 Millionen Vögel einen schmalen Landstrich zwischen den drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika überfliegen. Israel und ein Teil Palästinas gilt als Flaschenhals für die Zugvögel auf ihren Flugrouten
im Herbst in den Süden nach Afrika und im Frühjahr zurück in den Norden nach Europa.
Kraniche gehören zu den imposantesten Besuchern des Hula-Tals im Norden Israels. Mit ihrem typischen "Gruh, gruh grüh, grüh", melden sich die Kraniche im Hula-Tal im Norden Israels. Zu tausenden kommen sie in die fruchtbare und wasserreiche Ebene am Fuße des Golans. "Die Peanuts (Erdnüsse) haben es ihnen angetan, sie sind sehr proteinhaltig, sie verschaffen den Vögel Energiepolster, die sie für den Weiterflug benötigen," sagt Dan Alon, Direktor des Ornithologen Zentrums Israels. Am liebsten wäre er in den Wochen, in denen die Kraniche im Hula-Tal Station machen, Tag und Nacht bei "seinen Babys" wie er sie liebevoll nennt.
Die energiereichen Peanuts im Hula-Tal
Majestätisch schreiten die bis zu 1,2 Meter großen Vögel über die Felder, suchen nach Erdnüssen oder fliegen mit einigen starken Schlägen zum Jordan, um Wasser zu trinken.
Eine immer größere Anzahl von Kranichen bleibt inzwischen zur Überwinterung am Fuße des Golan. Die Verhaltensänderung und die Zugrouten der Vögel wollen die Ornithologen jetzt näher erforschen.
"Wir wissen noch recht wenig über die genauen Flugwege und Aufenthaltsorte der Kraniche, deshalb sind wir froh, daß wir, mit den von Lufthansa zur Verfügung gestellten Minisendern weiter forschen können", sagt Dan Alon. Die Israelis haben große Erfahrung mit der telemetrischen Verfolgung von Zugvögeln. Dr. Yossi Leshem ist der Initiator großer Vogelzug-Beobachtungs-Programme. Der weltweit auf seinem Gebiet angesehene Ornithologe der Universität Tel Aviv arbeitet dabei auch eng mit  der israelischen Luftwaffe und den den zivilen Luftfahrtbehörden zusammen. Durch exakte Beobachtungen per Radar oder den von Leshem animierten "Birdwatchern" werden die Vogelschwärme registriert und die Daten an die zuständigen Leitstellen weitergeben. Die Zahl der Zusammenstöße von Flugzeugen und Zugvögeln konnte erheblich reduziert werden.
Bereits 1992 fingen sie die ersten Zugvögel und besenderten Weißstorch Boris aus Finnland. Er sendet seit 1996 Signale. Diese werden über Satelliten der in Toulouse ansässigen Providerfirma "Agros" übermittelt und von dort ins Internet eingespeist. So war und ist es möglich, den Flugweg von Störchen zu verfolgen. "Wir wissen immer, wo sich beispielsweise Storch Boris gerade aufhält", sagt Dan Alon.
Das gleiche Experiment wird jetzt zum ersten Mal mit Kranichen gestartet. Zwölf Tage war ein Expertenteam, die erfahrenen spanischen Ornithologen Juan Carlos und Javier Alonso und der Israeli Dan Alon, im Hula-Tal unterwegs, um vier Kraniche zu fangen, denen jeweils ein Satellitensender auf den Rücken geschnallt werden sollte. "Zunächst haben wir versucht, sie auf Felder zu locken, auf denen wir reichlich Erdnüsse gelegt hatten, aber das klappte nicht, die Kraniche suchten sich andere Plätze, auf denen sie genauso fündig und damit satt wurden," berichtet Dan Alon.
Deshalb entschlossen sich die Männer Fangnetze einzusetzen. In mühevoller Kleinarbeit mußte das Netz mit Pflanzen, Blättern, Stroh und Gras aus der Umgebung getarnt werden. Nach zwölf Tagen schließlich gelang es, mit dem von Miniraketen entfaltetem, 50 x 12 Meter großen Netz vier Kraniche zu fangen. Die Tiere wurden zunächst zur Beruhigung in ein Zelt gebracht, dort gewogen und vermessen und schließlich mit den nur 60 Gramm schweren Satellitensendern bestückt. Jeder der vier Kraniche erhielt einen Namen: Als Hula, Carolina, Dora und Shalom werden sie über das Internet weltberühmt werden und in die Geschichte der Kranichforschung eingehen. Sechs Stunden nach dem Fang konnten sie wieder in die Freiheit starten. "Sie flogen davon als sei nichts gewesen", berichtet Dan Alon. Bereits Stunden später wurden die ersten Signale aufgefangen. Entsprechend der Umlaufzeit der Satelliten kann man etwa alle 90 Minuten eine genaue Positionsbestimmung vornehmen. Zum ersten Mal kann der Flug der Kraniche weltweit verfolgt werden, es wird neue Erkenntnisse über Flugrouten, bevorzugte Nahrungsplätze und das Leben und Verhalten der Kraniche geben.

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