Wie werden Jungkraniche beringt und mit einem Sender versehen?

Der Kranichschutz hat in Deutschland einen herausragenden Stellenwert. Unter anderem wurde eigens dazu das Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf gegründet, das seit September 1996 besteht. Es wird finanziert von Kranichschutz Deutschland, einer 1991 gegründeten Arbeitsgemeinschaft von Naturschutzbund und WWF Deutschland, die wiederum durch die Lufthansa Umweltförderung unterstützt wird.
Behutsam schleichen die Männer in Tarnanzügen über die feuchten Wiesen entlang von Waldrändern. Jeder Schritt nach vorn wird unter großer Körperanspannung getan, jede hektische Bewegung würde das Vorhaben zunichte machen. Die Männer pirschen sich an ein Kranichpärchen heran, das mit seinem Jungen auf der Suche nach Nahrung ist. Plötzlich werden die alten Kraniche unruhig. Sie heben die Köpfe, strecken die Hälse und schauen in die Richtung, in der sie die Gefahr vermuten. Sie versuchen ihre Jungen unauffällig in eine nahe Deckung zu führen. Nähert sich der Mensch jedoch sehr schnell, fliegen die Altvögel auf und stoßen laute Warnrufe aus. Auch in der Luft rufen sie in regelmäßigen Abständen, warnen so ihre Jungen, die sie allein zurücklassen müssen, weil sie noch nicht fliegen können. Die Altvögel vertrauen darauf, daß ihre Jungen wieselflink, im Zickzack weglaufen, um sich dann blitzschnell an einer für sie geeigneten Stelle flach auf den Boden zu ducken. Durch sein braungraues Gefieder ist ein Jungkranich für Angreifer aus der Luft unauffindbar.
Nur gute Läufer haben eine Chance
"Der Mensch hat im Prinzip allein überhaupt keine Chance, einen Jungkranich zu fangen", erklärt Günter Nowald, Leiter des Kranichinformationszentrums im mecklenburg-vorpommerschen Groß Mohrdorf, in der Nähe von Stralsund. Zusammen mit vier bis sechs laufstarken, für die Kranichjagd speziell ausgebildete Biologen und Ornithologen versucht Nowald im Frühjahr einige Jungkraniche einzufangen, um sie zu beringen oder ihnen Sender (Biotrack TW 5) ins Gefieder zu setzen.

Die Markierung von Vögeln hat sich zu einer unentbehrlichen Methode der ökologischen Freilandforschung entwickelt. Durch die Wiedererkennung individuell markierter Kraniche können zum Beispiel Daten über die Altersstruktur der Population, die Geschlechtsreife und die Überlebenswahrscheinlichkeit in dem betroffenen Raum ermittelt werden. Von besonderer Bedeutung für den angewandten Kranichschutz sind Daten zum Verhalten der Tiere und zur Ökologie.
Im Naturpark Nossentiner-Schwintzer Heide im Gebiet der mecklemburgischen Seenplatte, liegt eines der bedeutendsten deutschen Brutgebiete für Kraniche.
Hier gehen die Männer um Günter Nowald auf "Jagd", um mit den Händen junge Kraniche, die noch nicht fliegen können, einzufangen. "Das hört sich leicht an, ist es aber wirklich nicht", sagt Günter Nowald. Nur aufgrund der großen Erfahrung des eingespielten Teams und technischer Tricks und Hilfsmittel ist es möglich, einige wenige junge Kraniche im Frühjahr aufzugreifen.
Rekord nach zehn Tagen Jagd
In zehn Tagen schaffte das Team um Günter Nowald im Frühjahr 1998 den bisherigen Rekord, 21 Vögel zu beringen und teilweise mit einem sogenannten Rucksacksender zu bestücken. Dabei waren die Männer jeden Tag von fünf Uhr morgens bis abends 20 Uhr auf den Beinen. Man sieht an der relativ geringen Ausbeute, wie schwierig es ist, einen Jungkranich zu fangen und wie groß die Chance für die Vögel ist, vor dem Menschen zu fliehen. "Es ist unglaublich, wie die Vögel in der Landschaft verschwinden können, sie scheinen einfach weg zu sein, pressen sich fest an den Boden, stellen sich leblos. Es kann passieren, daß man nur einen Meter vor einem Jungkranich steht, aber man sieht ihn einfach nicht - auch wir, die wir wirklich große Erfahrung haben", staunt Biologe Nowald. Über Funk werden die Fänger von den Teammitgliedern, die die Szene von erhöhten Positionen aus der Entfernung von außen beobachten, an die Stelle dirigiert, wo der Vogel ausharrt.
Doch wenn man den Kranich schließlich entdeckt hat, ist es relativ einfach, ihn zu fangen, weil er sich aus Furcht überhaupt nicht bewegt, im letzten Augenblick auch nicht versucht, noch zu fliehen. "Schnell, aber behutsam stülpen wir ihm dann eine schwarze Baumwollkapuze über. Dadurch bekommt der Vogel optisch nichts mehr mit, was ihn schon mal beruhigt", erklärt Günter Nowald.
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