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Nach einer Anfrage bei der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt am Main wurde jetzt die Antwort übermittelt. Diese ist eine Rechtsauskunft des Bundesamtes für Naturschutz zum Thema „Sportflugzeuge und Kraniche" erhalten am 26. November 2007
Eine Vorlage für eine solche Antwort habe ich nicht, aber nachdem wir schon mehrere solcher Vorfälle "aufgeklärt" haben, stellt sich die Sache für mich wie folgt dar: Rechtlich gesehen müsste einem Piloten vermutlich nachgewiesen werden, dass durch sein absichtliches zu nahes Heranfliegen ein oder mehrere Vögel direkt geschädigt würden = in Folge einer Kollision abstürzen, verletzt oder gar getötet werden. Das Auflösen einer Kette alleine (Energieverlust) wird da vermutlich nicht genügen, denn die Ketten lösen sich auch ohne jegliche Störung immer wieder auf, z.B. wenn eine Thermik gefunden wird, und ordnen sich dann neu - kann man sehr schön beobachten.
In den Fällen, die wir bisher reinbekommen haben und wo Beobachter am Boden und Pilot bekannt waren, hatten die Beobachter vom Boden den Eindruck, dass ein Luftfahrzeug (meist Segelflieger) direkt in eine Kranichkette hineingeflogen ist bzw. die Ketten sich bei großer Annäherung zum Pulk aufgelöst hatten. Nach (glaubwürdiger) Rücksprache mit den Piloten sah das dann ganz anders aus. Die Höhendifferenz zwischen den Ketten und einem Flugzeug sind vom Boden aus definitiv nicht zu erkennen. In den uns bekannt gewordenen Fällen waren die Kraniche entweder weit oberhalb oder unterhalb des Flugzeugs. Luftfahrzeuge, die kreisende Kraniche als Thermikanzeiger nutzen, fliegen für einen Beobachter am Boden genau auf die Vögel zu und drehen, wenn sie dort angekommen sind, ein. Selbst wenn da mehrere hundert Meter Höhendifferenz zwischen Kranichen und Flieger sind, kann das vom Boden so aussehen, als wenn der Flieger direkt zwischen den Kranichen herumfliegt - vor allem wenn das alles in großer Höhe stattfindet. Umgekehrt nutzen auch Kraniche Segelflugzeuge, Drachen und Gleitschirme als Thermikanzeiger. D.h. die Ketten fliegen gezielt unter ein kurbelndes Lfz und steigen dann in der Thermik von unten zu ihm auf. Auch hier der gleiche Effekt für einen Beobachter am Boden.
Aus welchem Grund sollte ein Pilot in eine Kranichkette oder einen Pulk hineinfliegen? Ein einzelner Kranich ist groß genug und bringt genug Gewicht auf die Waage, um ein Luftfahrzeug erheblich zu beschädigen, vom einem ganzen Trupp ganz zu schweigen. Ich kenne keinen, der das freiwillig machen würde, ganz im Gegenteil. Dass so etwas passiert, halte ich also für ein Gerücht - solange ich nicht eines Besseren belehrt werde. Den umgekehrten Fall, dass ein Pilot von unten von einem schneller aufsteigenden Kranichschwarm "eingefangen" wird, gibt es nachweislich. Jeder vernünftige Pilot sucht in so einem Fall sofort das Weite...
Mir ist bekannt, dass Piloten von motorgetriebenen Luftfahrzeugen (UL, Mose und Motormaschinen) mitunter an Kraniche heranfliegen, um Photoaufnahmen zu machen. Dass Sie dabei evtl. kurzfristig zu nahe an die Vögel herankommen können, kann ich mir schon eher vorstellen. Erstaunlich in diesem Zusammenhang: Ich habe mehrfach glaubhafte Berichte (von vernünftigen vogelbegeisterten Piloten, die unter keinen Umständen einem Vogel/Kranich Schaden zufügen wollten), dass die Kraniche sich dem etwas höher parallel fliegenden Motorflugzeug mitunter sehr plötzlich annnähern. Ich kann das nur so interpretieren, dass sie vermutlich hoffen, dass es dort besser "trägt" - wie ein Motor funktioniert, dürfte sich einem Kranich nicht erschließen... Wenn sich aus welchem Grund auch immer infolge der Annäherung beider eine Kette auflöst, ist das natürlich trotzdem nicht gut, ist aber m.E. nur schwer als erhebliche Störung zu bewerten. Wenn ich von Piloten höre, die von solchen luftigen Begegnungen berichten, versuche ich mit Ihnen in Kontakt zu kommen und ihnen klar zu machen, dass sie auf ausreichenden Abstand achten sollten - schon aus Sicherheitsgründen, um sich nicht selbst schneller als ihnen lieb ist in Gefahr zu bringen. Das trifft in der Regel auf Verständnis.
Soweit meine bisherigen Erfahrungen zu diesem Thema. Wenn Euch Fälle bekannt werden, die das Ganze in ein anderes Licht rücken, dann bitte immer her damit. Sollte es wirklich "Kamikaze's" unter den Piloten geben, die sich einen Spaß daraus machen, in Ketten oder Pulks hineinzufliegen, würde ich sie gerne in die Finger bekommen.
Hoffe das hilft Dir/Euch für's erste weiter.
Liebe Grüße Wolfgang Scholze
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