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Das Spektakel der „heiseren Rufer"
Kraniche auf dem Weg gen Süden: eine Route führt über die Rhein-Main-Region. Mit etwas Glück kann man die imposanten Vögel bei einem Zwischenstopp beobachten.
Von Beate Taudte-Repp
Frankfurt. Urige Laute wie aus einem Nirgendwo, ein vielstimmiges heiseres Trompeten, ein schier pausenloses ächzendes Schnarren: Wer sie einmal erlebt hat, wartet jetzt wieder gespannt auf die Kraniche. Auf ihrer Tour gen Süden überqueren sie im Frühjahr und Herbst auch Hessen. Unverkennbar das Getöse, wenn Schwärme dieser staatlichen Vögel die Luft durchkämmen - mit dem zielstrebig ausgestreckten langen Hals, den nicht minder langen, nach hinten ausgestreckten Beinen. Auch das beständige Schlagen ihrer Flügel ist dabei zu hören, deren Spannbreite oft mehr als 2,20 Meter beträgt. Ebenso beeindruckend ist das Schauspiel, Hunderte von Kranichen auf Auen- und Moorwiesen oder an einem Seeuferlanden zu sehen, wo sie bei schlechter Witterung übernachten und vor dem Weiterflug in ihre südlichen Winterquartiere noch schnell ein paar Samen oder Frösche und andere Amphibien vertilgen. Von der mit Ausnahme Südamerikas und Neuseelands weltweit verbreiteten Familie der Gruidae mit 14 verschiedenen Arten ist hierzulande nur der Graue oder Gemeine Kranich zu beobachten, der seinen Namen vermutlich nach dem althochdeutschen Wort „krano" für „heiserer Rufer" erhielte In zwei Flugrouten, einer östlichen über Ungarn und einer westlichen über Frankreich ziehen die Kraniche jeden Herbst gen Süden - und im Frühjahr wieder zurück in ihre nördlichen Brutgebiete. Nun ist es wieder so weit, denn die mit gut 1,30 Metern Körperlänge größten Vertreter hiesiger Zugvögel haben ihren Nachwuchs großgezogen in Norddeutschland, Skandinavien und dem nördlichen Osteuropa. Wer dieser Tage also, ob mitten in der Innenstadt Frankfurts oder Wiesbaden, ob auf Feldern im Taunus, in der Wetterau oder am Vogelsberg schnarrende trompetenartige Geräusche, die vielstimmigen Rufduette „krruu-krraa-kuouuu-kaaa" vernimmt und in den Himmel schaut, mag in oft überraschend geringer Höhe den Flug eines meist keilförmigen ausgerichteten Kranich-Schwarms entdecken. Gerade in Großstädten läßt sich gut beobachten, wie die massigen Vögel thermische Aufwinde über dichtbesiedelten Orten nutzen, um wieder an Höhe zu gewinnen. Dann kreisen sie eine Weile scheinbar spielerisch umeinander, schrauben sich dabei aber mit jeder Pirouette wieder hinauf in die Lüfte, bevor sie, nur mehr ferne und leise trompetende Silhouetten, zum Weiterflug starten. Manche Vorhut der nach Spanien, Portugal oder Nordafrika überfliegende Kraniche wurden bereits über Hessen gesichtet, wie Otwin Franz aus Friedrichsdorf berichtet
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