Frankfurter Rundschau Rhein-Main & Hessen

Donnerstag, den 19. Oktober 2000

Der Taunus liegt jeden Herbst mitten in der Flugschneise

Seulberger sammelt per Internet Informationen über Kranich-Sichtungen / Vor fünf Tagen die erste Keilformation beobachtet

Von Heitken Schwarzenau

Der Zug der Kraniche aus dem Norden in die Winterquartiere nach Spanien oder Marokko führt über den Taunus. Der Vogelfreund Otwin Franz aus Friedrichsdorf-Seulberg (Hochtaunuskreis) beobachtet alljährlich den faszinierenden Formationsflug der großen Vögel. Er hat jetzt im Internet eine Homepage eingerichtet und hofft auf Infos über die Kraniche aus aller Welt.

HOCHTAUNUSKREIS. Alljährlich im Oktober lenkt Otwin Franz den Blick zum Himmel in der Hoffnung, Kraniche in typischer Keilformation über den Himmel ziehen zu sehen. Die Kraniche sind über dem Taunus ("Wir liegen in der Zugschneise") immer ab Mitte Oktober zu beobachten, weiß Franz aus jahrelanger Beobachtung. Am vergangenen Samstag Jahr hat er den ersten Flug in diesem Jahr beobachtet. Er hat für den World Wild Fund (WWF) in Norddeutschland für den Kranichschutz gearbeitet und weiß, wo ihre Nistplätze sind: "In Skandinavien sind sie zu Hause, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern nisten bis zu 20 000." (Anmerkung von mir: dort brüten nicht 20.000 sondern 2.000 aber es rasten dort 20.000 Kraniche)

Sie starten auf der Reise ins Winterquartier nach einem genauen Plan, sagt Franz: "Zuerst ziehen die Junggesellen los, dann die Paare ohne Jungen und schließlich die Familien." Über den Himmel fliegen die Vögel in Keilformation und Gruppen von 15 bis 500, wobei der "Spitzenvogel", sozusagen das Leittier, regelmäßig abgelöst wird.

Otwin Franz gibt sich nicht damit zufrieden, den stolzen Vögeln bei der Reise in den Süden nachzublicken: Er hat eine Homepage eingerichtet (http:/ /kraniche.vogelfreund.net), auf der alle Kranichfreunde Infos über Arten und Literatur bekommen können und auf der der Friedrichsdorfer Meldungen über gesichtete Formationen der Vögel erhofft. Dafür hat er auf der Homepage ein Formular eingerichtet, dass ausgefüllt an ihn zurückgemailt werden kann (franz.otwin@rhein-main.net.) Zudem erreichen ihn Berichte über Beobachtungen auch per Fax: 0 61 72 / 59 93 89.

Die Internet-Seite hat der Kranichfreund eingerichtet, um "in der Bevölkerung mehr Verständnis und Interesse für den Kranich zu wecken". Außerdem könne man den Zug der Vögel -- und auch Abweichungen vom traditionellen Weg - durch Meldungen via Internet genau verfolgen. Bis zu 15 Besucher pro Tag registriert Franz zur Zeit auf seiner Homepage - er freut sich über das große Interesse an den stolzen Vögeln. Zudem haben sich Diskussionen über die Kraniche auf der Datenautobahn entwickelt: Leute schicken Bilder und fragen, ob der abgebildete Vogel ein Kranichs sei, geben Hinweise über eine der 15 europäischen Kranich-Arten und vor allem: Sie melden begeistert, wenn sie wieder einen Vogelzug am Himmel beobachtet haben.