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Bodenpersonal für die Rasterfahndung gesucht
Europäische Arbeitsgruppe will Kraniche erfassen, die in den Winterurlaub ziehen / Meldebögen gibt es im Internet
Von Peter Gwiasda
Der Kranich, das Wappentier der größten deutschen Fluggesellschaft, der Lufthansa, überfliegt in den nächsten Tagen und Wochen in großen Geschwadern das Rhein-Main-Gebiet. Zeitpunkt, Flugrichtung und Zahl der Tiere sollen jetzt erfasst werden - nicht von der Flugsicherung, sondern von ehrenamtlichen Beobachtern.
RHEIN-MAIN. Otwin Franz aus Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) sucht Menschen, die wie er für eine gute Sache und ein Vergeltsgott den Himmel beobachten, möglichst Tag und Nacht. Der 49 Jahre alte kaufmännische Angestellte sucht Männer und Frauen, denen das Hören und Sehen noch nicht vergangen ist, die verlässlich und penibel wie Buchhalter sind - und Großvögel mögen. Franz baut für die Europäische Kranich-Arbeitsgruppe in Deutschland ein Meldenetz zur Erfassung der durch den Luftraum ziehenden Kraniche auf. Diese ornithologische Rasterfahndung ist so aufwendig, dass aussagekräftige Resultate erst in einigen Jahren geerntet werden können. In den nächsten Tagen und Wochen dürften die ersten kleinen Kranich-Gruppen das Rhein-Gebiet erreicht haben. Aktuelle Meldungen liegen bereits vor. Am 11. September wurden im Landkreis Waldeck-Frankenberg Formationen am Himmel gesichtet, einen Tag später kleine Trupps über Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis). Wer sie nicht sofort sieht, kann sie hören. Ununterbrochen schnarrend sind die Kraniche selbst dann wahrzunehmen, wenn sie mehrere tausend Meter hoch in Keilformation fliegen, also in der Höhe, in der sich unabhängig von der Jahreszeit die Maschinen der Lufthansa aufhalten. Die Fluglinie mit dem Kranich als Wappentier zählt zu den wichtigsten Sponsoren der Arbeitsgruppe, die sich vorgenommen hat, das in wesentlichen Teilen noch rätselhafte Leben dieser Großvögel (lateinisch Grus grus) zu erforschen. Für diese Aufgabe sucht Otwin Franz Bodenpersonal, möglichst in jedem Landkreis einen Vogelfreund, noch besser in jedem größeren Ort. Er hat Formblätter entwickelt, auf denen die Beobachter ihre Daten eintragen. Dabei geht es um Ort, Zeitpunkt, Flugrichtung, ungefähre Anzahl der Tiere sowie um Rastplätze, Dauer der Flugpause und die Zusammensetzung des Schwarms. Besonders begehrt sind Daten über rastende Kranich-Gruppen. Auf den Pausenplätzen verweilen die Tiere manchmal mehrere Tage. Die Beobachter haben also die Chance, Vögel einzeln zu identifizieren, also auch solche, die als Jungtiere in ihrem Sommerquartier im Ostseeraum beringt wurden oder gar einen kleinen satellitengestützten Peilsender auf dem Rücken tragen. Ornithologen haben erstmals in Israel einige Tiere mit dieser Hochtechnologie ausgerüstet, die es gestattet, zu jeder Zeit ihr Flugprofil zu verfolgen.
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