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Kraniche zieht es dieses Jahr früh in den Süden Hobby-Ornithologen sichten Rekordzahl der Riesenvögel Von Günther Scherf Über den Hochtaunuskreis sind im November mehr als 5000 Kraniche gen Süden gezogen. Vor allem über Bad Homburg, Friedrichsdorf, Wehrheim und Oberursel wurden sie beobachtet. Die Herbstwanderung der Vögel nach Spanien und Afrika fand heuer früher als im Vorjahr statt. Spätestens im März werden die Tiere zurück erwartet. HOCHTAUNUSKREIS. "In solchen Massen habe ich sie noch nie erlebt", sagt der Friedrichsdorfer Hobby-Ornithologe Otwin Franz. "Anders als im Vorjahr hat der Zug hat schon im Oktober eingesetzt." Im Jahr 2000 waren noch an Weihnachten und Silvester Kraniche über Seulberg beobachtet worden. Otwin Franz. im Beruf für die Computer-Systeme einer Lebensmittel-Großmarktkette zuständig, betreut im Internet seit drei Jahren eine Datei, in die Vogelfreunde aus aller Welt ihre Beobachtungen eintragen. "Anfangs war es nur ein Hobby", erzählt er. Doch in diesem Herbst habe er mehr als 6000 Besucher seiner Datenbank gezählt. Nun beginnt Franz, die wissenschaftliche Auswertung der Einträge über die mal im Keilflug, mal in Ketten, mal kreisend in den Aufwinden steigend, mitunter aber auch Orientierung suchenden Tiere zu organisieren. In Skandinavien, Estland, Russland, Mecklenburg-Vorpommern und - in kleiner Zahl - Schleswig-Holstein ziehen die Kraniche im Sommer ihre Jungen auf. Vor Wintereinbruch starten sie dann zum Zug in wärmere Gefilde, die ihnen Nahrung bieten können. Ihre meist zu Hunderten ziehenden Trupps - über Neu-Anspach wurden an einem November-Samstag dieses Jahres 1300 Tiere beobachtet - fallen auch Laien auf, weil sie unaufhörlich ihre nach Trompeten klingenden, lauten Kontaktrufe "gru, gru" ausstoßen. Aus der Wetterau kommend überfliegen sie meist zwischen 14.30 und 16.30 Uhr, aber auch noch nach Einbruch der Dunkelheit den Hochtaunuskreis in Richtung Rheingau-Taunus-Kreis. Ihre Route führt dann weiter über Rheinland-Pfalz und das Saarland nach Frankreich, wo am Lac du Der in der Champagne einer der bekanntesten Rastplätze ist. Auch bei Waldems im Taunus rasten immer wieder Trupps der mehr als einen Meter großen Vögel - wenn sie auf dem Zug zwischen ihren Sammelplätzen in Mecklenburg-Vorpommern und ihrem Hauptwinterquartier in der spanischen Extremadura überhaupt eine Pause machen. Die Naturforscher Jürgen Nicolai und Carl-Albrecht Treuenfels berichten von einer Beobachtung im Jahr 1986: 24 000 Kraniche wurden damals morgens beim Start an der Ostsee und 24 Stunden später unmittelbar vor den Pyrenäen registriert. "Dieser Marathonflug war sicher kein einmaliges Ereignis", sagt Nicolai. Über die Dauer der Reise und die nötigen Zwischenstopps entschieden Wind und Wetter. Auch die allgemeine Klimaveränderung zeitigt Folgen: Die Zeitschrift Gefiederte Welt meldet, dass seit mehreren Jahren Hunderte von Kranichen gar nicht mehr in den Süden fliegen, sondern im Havelgebiet überwintern. Otwin Franz, als Siebenjähriger von seinem Großvater für den Vogelschutz interessiert und von 1981 bis 1989 im Frühjahr zur Bewachung der Kraniche in Schleswig-Holstein aktiv, erwartet in den nächsten Wochen keine größeren Trupps mehr am Taunus-Himmel. "Mecklenburg ist ziemlich geräumt", weiß er aus den Eintragungen dortiger Vogelschützer in seine Internet-Datei. Dass einige Tiere noch am Schaalsee südlich von Lübeck Station machen, sei allerdings nicht auszuschließen. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz will demnächst Kontakt mit der Flugsicherung am Rhein-Main-Flughafen aufnehmen. Denn die echten Kraniche kreuzen rund um Wiesbaden die neuen An- und Abflugrouten ihrer stilisierten Artgenossen auf Flugzeugen. Über das Unfallrisiko wird derzeit gestritten. Franz' Internet-Datei hat im November bislang einen Zwischenfall registriert, der nichts mit den neuen Luftstraßen der Jets zu tun hat: An einem Freitag um 17.03 Uhr löste eine startende Maschine eine 250 Vögel zählende Formation über der Startbahn-West bei Mörfelden-Walldorf auf. Die Tiere mussten sich neu orientieren, was eine Menge Kraft kostet und deswegen für sie nicht ungefährlich ist. www.kraniche.vogelfreund.net
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